immer noch Strom ohne Rechnung

Meine Ende November 2015 begonnene Odyssee geht weiter. Mir kann immer noch kein Stromzähler zugeordnet werden und ich zahle seit fast einem dreiviertel Jahr nicht für den von mir bezogenen Strom.

Was bisher geschah, kann hier (April 2016) und hier (Mai 2016) nachgelesen werden.

Viel ist seitdem nicht passiert. Auf meine Mails wurde ich immer vertröstet und es wurde mir gesagt, dass der Vorgang in Klärung ist. Vor ein paar Tagen kam dann mal ein Schreiben und ich wurde gebeten, den Namen des Vormieters mitzuteilen (was ich schon mehrfach gemacht habe).

Ansonsten hat sich lediglich mal wieder das Erscheinungsbild des Online-Services geändert:

Screenshot meines Vertragskontos im August

Screenshot meines Vertragskontos im August

Weiterhin kein Stromvertrag für mich

Wie ich letzten Monat schon berichtet habe, darf ich seit meinem Umzug vor einem halben Jahr meinen Strom nicht bezahlen, weil mir kein Stromzähler zugewiesen werden kann.

 

Unverändert – kein Vertrag

Seitdem habe ich noch einmal bei Vattenfall angerufen, zwei Mails geschrieben und war einmal persönlich im Kundencenter. Viel verändert hat sich seitdem nichts, lediglich die Schriftart im Onlineportal ist eine andere geworden:

Vertragskonto

Screenshot meines Vertragskontos – seit dem letzten Monat hat sich lediglich die Schriftart geändert…

 

Weiterlesen

Langzeitverlauf der Netzfrequenz (06.2011-03.2016)

Der Sollwert der Netzfrequenz beträgt 50Hz. Je nach Einspeisung und Verbrauch weicht die Netzfrequenz allerdings etwas von diesem Wert ab. Da Strom nicht (bzw. nur in sehr geringem Umfang) gespeichert werden kann muss immer genau so viel Strom erzeugt werden wie auch verbraucht wird. Ein Ungleichgewicht macht sich in der Netzfrequenz bemerkbar. Diese Abweichungen sind nicht schlimm, sondern Regelungstechnisch sogar notwendig, solange sie einen bestimmten Toleranzbereich nicht überschreiten (siehe auch die Erklärungen hier). In den fast 5 Jahren, die ich schon die Netzfrequenz aufzeichne, lag die maximale, kurzfristige Abweichung bei ungefähr +/- 150mHz, also noch völlig im erlaubten Bereich (langfristig wären bis zu +/- 180mHz erlaubt).

 

Diese Abweichungen sind nicht zufällig verteilt, sondern folgen bestimmten Ereignissen:

Netzfrequenz von Juni 2011 bis März 2016

Rasterdiagramm zur Netzfrequenz von Juni 2011 bis März 2016

 

Abweichungen im Tagesverlauf

Die Abweichungen in der Frequenz gegenüber 50Hz sind umso stärker, je stärker die Laständerung ist. Starke Laständerungen entstehen durch nicht prognostiziertes Verhalten der Verbraucher, Netzfehler und Kraftwerksausfälle. Seit der verstärkten Nutzung von regenerativen Energien wie Solar- oder Windkraft spielt auch hier die Genauigkeit der Wettervorhersage eine große Rolle, da das Wetter den Ertrag dieser Energieformen stark beeinträchtigt. Die Erzeugung konventioneller Energien kann gut gesteuert und somit auch gut vorhergesagt werden, bei den Regenerativen ist dieses nicht immer der Fall.

Auffällig ist, dass sich die Abweichungen von der Sollfrequenz nicht durch ein gleichmäßiges Rauschen bemerkbar machen, sondern dass die Frequenzänderungen besonders zum Stundenwechsel auftreten. Der Grund dafür ist, dass die Bilanzkreisverantwortlichen zwar eine Prognose pro Viertelstunde abgeben, die Händler an der Strombörse aber größtenteils stundenweise die Kapazitäten einkaufen und diese dann auch erst zum Stundenwechsel zugeschaltet werden. Dadurch kommt es besonders in den Morgenstunden und im Winter auch in den Abendstunden zu einer Überversorgung nach der Aktivierung der Leistung und die Netzfrequenz steigt kurzzeitig bis zum Einsetzen der (negativen) Regelleistung.

In den späten Abendstunden und am frühen Morgen zeigt sich ein umgekehrtes Bild. Hier wird stundenweise die Erzeugung heruntergefahren. Das hat zur Folge, dass zum Beginn einer vollen Stunde die Netzfrequenz sinkt und im Verlauf der Stunde wieder ansteigt. Leichte Frequenzveränderungen nach oben sind noch in der Mittagszeit von 12:00 – 14:00 Uhr herum zu beobachten. Zu diesem Zeitpunkt hat die Lastkurve einen Wendepunkt und nach der morgendlichen Zuschaltung von Erzeugungskapazitäten müssen diese jetzt langsam wieder abgeschaltet werden.

Weiterlesen

Kein Stromzähler für mich

Wechsel des Stromanbieters

Der Wechsel eines Stromanbieters oder das Ummelden bei einem Umzug ist normalerweise ein einfacher Standardvorgang. Man gibt seinem Stromversorger Bescheid und dieser veranlasst alles weitere. Da die Stromzähler vom sogenannten Messstellenbetreiber betrieben werden, muss der Energieversorger diesem seinen neuen Kunden melden. Der Messstellenbetreiber gibt dann den Stromzähler für die Abrechnung frei (und kündigt, falls notwendig, den Vertrag beim alten Energieversorger).

 

Oder auch nicht…

Viele Stromzähler

Einer dieser Stromzähler ist „meiner“. Ich bin mir sicher, welcher es ist. Anmelden ist trotzdem nicht möglich.

Dass es Probleme beim Ummelden von Telefonanschlüssen gibt, hört man ja öfters. Dass aber ähnliche Geschichten auch bei der Stromversorgung auftreten können, ist mir bisher noch nicht untergekommen. Bei mir wird aber offensichtlich der Stromzähler vom Messstellenbetreiber nicht freigegeben.

Auf meine letzte Anfrage vom 05. April 2016 habe ich diese Antwort bekommen:

[…]

Unsere in Ihrem Auftrag erfolgte Netzanmeldung wurde vom zuständigen Netzbetreiber wiederholt abgelehnt. Unter diesen Umständen können wir Ihren Auftrag zur Belieferung mit Strom durch Vattenfall leider nicht bestätigen.

 

Der Zähler wird momentan noch durch einen anderen Lieferanten beliefert. Eventuell hat Ihr Vormieter versäumt, seinen Liefervertrag zu kündigen.

 

Wir sind mit dem anderen Lieferanten in Klärung, dass wir Sie als neuen Nutzer des Zählers 8XXXX3 anmelden können.

 

Wir bitten Sie nochmal um Verständnis und etwas Geduld, da wir erst eine Bestätigung des Lieferanten abwarten müssen.

 

Prinzipiell kann sowas natürlich passieren. Man vergisst die Abmeldung, irgendwo gibt es einen Zahlendreher oder die Aufzeichnungen sind nicht ganz korrekt. Das Schlimme in meinem Fall ist aber, dass ich Ende November/Anfang Dezember 2015 umgezogen bin und der Zustand seitdem unverändert ist und immer noch keine Lösung in Sicht ist.

Weiterlesen

Einfluss des Stromausfalls in der Türkei auf das Stromnetz? [Update]

Gestern gab es einen großen Stromausfall in der Türkei. Ab 10:36 Uhr Ortszeit (9:36 Uhr nach unserer Zeit) fiel der Strom für 8 Stunden aus. Die Türkei ist zwar kein Mitglied der ENTSO-E, aber das türkische Netz läuft im Testbetrieb synchron zum Europäischen Verbundnetz.

In der Netzfrequenz sind deutliche Einflüsse eines Ereignisses um 9:36 Uhr (MESZ) zu erkennen:

Netzfrequenz zum Zeitpunkt des Stromausfalls in der Türkei

Netzfrequenz zum Zeitpunkt des Stromausfalls in der Türkei

Der zeitliche Zusammenhang deutet darauf hin, dass der Stromausfall in der Türkei die Frequenz des europäische Verbundnetzes beeinflusst hat.

Es ist möglich, dass die gestrige Auffälligkeit in der Netzfrequenz etwas mit dem Ende des Stromausfalls zu tun hat und zu dem Zeitpunkt das Netz der Türkei wieder mit dem restlichen Verbundnetz synchronisiert wurde.

[Update]: Obwohl der Zeitpunkt dieser Frequenzschwankung sehr gut mit dem Zeitpunkt des Stromausfalls in der Türkei zusammenhängt, muss nicht unbedingt ein Zusammenhang bestehen. Gegen diesen Zusammenhang spricht, dass es bereits am Vortag eine ähnliche Schwingung im Netz gab:

Schwingung der Netzfrequenz am 30. März 2015

Schwingung der Netzfrequenz am 30. März 2015

 

Einbruch der Netzfrequenz

Kurzmitteilung

[Kurzmitteilung]: Der kurze, starke Einbruch in der Netzfrequenz heute um 18:32 Uhr war kein Messfehler – wie ausser mir sicherlich mehrere gedacht haben. Alle Messgeräte haben die gleichen Werte. Hier ein Bild mit dem Mittelwert aus den jeweiligen Sekunden über alle Messgeräte:

Kurzer Einbruch der Netzfrequenz

Kurzer Einbruch der Netzfrequenz

Derartige Einbrüche (besonders den kurzen Zeitraum mit sofortigem Anstieg) konnte ich bisher selten beobachten.

Earth Hour am 28. März 2015

Am 28. März 2015 findet wieder die jährliche Earth Hour statt. Ab 20:30 Uhr werden überall auf der Welt für eine Stunde die Lichter ausgeschaltet, um damit ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen.

Auswirkungen auf die Stabilität des Stromnetzes?

Da Stromerzeugung und Verbrauch immer im Gleichgewicht sein müssen – ein Ungleichgewicht würde sich unter anderem an der Netzfrequenz ablesen lassen -, würde das massenhafte Abschalten von Verbrauchern bedeuten, dass plötzlich ein Erzeugungsüberschuss auftritt und die Netzfrequenz steigt. Die letzten Jahre haben aber gezeigt, dass es keine Auswirkungen auf die Netzfrequenz gab.

Durch das Abschalten der Beleuchtung für eine Stunde wird auch nicht wirklich Energie eingespart, es ist aber eine schöne Aktion, um auf den Klimaschutz hinzuweisen und die Notwendigkeit für verantwortungsbewussten Energieverbrauch wieder in die Köpfe zu bringen.

(Kurz-)Analyse Sonnenfinsternis

Die Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 wurde besonders mit Sicht auf die Stabilität der Stromversorgung mit Spannung erwartet. Einen Blackout gab es nicht* – und eine Betrachtung der Netzfrequenz des Tages zeigt, dass die Stromversorgung auch zu keinem Zeitpunkt gefährdet war (zumindest, was den Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch angeht):

Die Netzfrequenz während der Sonnenfinsternis am 20. März 2015

Die Netzfrequenz während der Sonnenfinsternis am 20. März 2015

 

Es ist zu erkennen, dass die Netzfrequenz zu Beginn der Sonnenfinsternis langsam etwas heruntergeht. Das hängt mit der nachlassenden Einspeisung durch die Photovoltaik zusammen. Nach und nach werden (konventionelle) Kraftwerke zugeschaltet, um die fehlende Solarenergie zu ersetzen. Nach der größten Bedeckung der Sonne werden innerhalb einer Stunde wieder 15GW durch Solarenergie mehr in das Netz eingespeist und die konventionellen Kraftwerke wieder heruntergefahren. Kraftwerke werden hauptsächtlich im Viertelstundentakt zu- und abgeschaltet, daher die häufigen Spitzen.

Weiterlesen

Sonnenfinsternis und die Netzfrequenz

Netzfrequenzanzeige für Mobilgeräte

Netzfrequenzanzeige für Mobilgeräte

Die Sonnenfinsternis am 20. März 2015 wird die Energieversorger vor eine gewisse Herausforderung stellen. Ob sie diese Herausforderung meistern, wird sich sehr gut an der Netzfrequenz ablesen lassen. Um die Netzfrequenz während der Sonnenfinsternis auch „ausser Haus“ gut beobachten zu können, gibt es jetzt auch eine Echtzeitanzeige mit einer für mobile Endgeräte optimierten Darstellung:
http://www.netzfrequenz.info/mobile/mobile.html

 

Die größten in den letzten Jahren beobachteten Abweichungen lagen bei ungefähr +/-0,15Hz. Um diesen Bereich – und noch etwas mehr – abzudecken, liegt der Anzeigebereich der Anzeige zur Netzfrequenz bei 49,8Hz bis 50,2Hz. Ich gehe nicht davon aus, dass der Zeiger diesen Bereich am 20. März ausnutzen wird.

 

Da sich Strom nicht in relevanten Größenordnungen speichern lässt, muss immer genau so viel erzeugt wie verbraucht werden. Ein Ungleichgewicht macht sich in der Netzfrequenz bemerkbar. Bei einer zu hohen Einspeisung steigt die Netzfrequenz über ihren Sollwert von 50Hz und bei einer zu niedrigen sinkt sie unter den Sollwert. Studien gehen davon aus, dass wegen der Sonnenfinsternis durch den Wegfall der Solareinspeisung mit einer Differenz von bis zu 18,5GW zu rechnen ist. Selbst diese hohe Differenz lässt sich im Normalfall sehr gut ausgleichen, die Herausforderung ist in diesem Fall aber die Änderungsgeschwindigkeit. Im Gegensatz zum Sonnenauf- und Untergang fällt die Solareinspeisung sehr plötzlich weg und setzt auch sehr plötzlich wieder ein.

 

Eine Veränderung von 18,5GW würde sich ohne Gegenmassnahmen in der Netzfrequenz mit einer Differenz von ungefähr +/- 1Hz bemerkbar machen. Bei einem Wegfall würde sie auf 49Hz absinken und bei dem plötzlichen Zuschalten einer derartigen Leistung könnte die Frequenz auf 51Hz steigen. Theoretisch wären sogar diese Frequenzwerte möglich, ohne dass gleich das komplette Stromnetz zusammenbricht. Erst ab einer Frequenz unter 49Hz wird „Last abgeworfen„, also einzelne Bereiche (z.B. Städte) von der Stromversorgung getrennt. Bei einem zu hohen Anstieg der Frequenz reduzieren Solaranlagen automatisch ihre Einspeisung, wodurch das mögliche Problem einer zu starken Einspeisung zum Ende der Sonnenfinsternis abgeschwächt wird. Das 50,2Hz-Problem sollte durch die Änderungen in der letzten Zeit zum Glück nicht mehr auftreten. Dafür gibt es aber noch das 49,5Hz-Problem, da sich bei diesem Wert viele einspeisende Anlagen vom Netz trennen.

 

So viel zur (stark vereinfachten) Theorie zum Bereich der Netzfrequenz. Es gibt natürlich noch weitere Parameter neben der Frequenz, die hier bedacht werden müssen. Aber da die Energieversorger schon seit Ewigkeiten von diesem Ereignis wissen, werden sie es sicherlich gut im Griff haben und ich wage die Prognose, dass sich die Sonnenfinsternis nicht signifikant auf die Netzfrequenz auswirken wird.